Beruf und Pflege vereinbaren

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird gebeten, zu prüfen und zu berichten, mit welchen Angeboten die Stadt Frankfurt am Main ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und darüber hinaus auch alle anderen  Bürgerinnen und Bürger, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, unterstützen kann.

Insbesondere sollen dabei vier mögliche Serviceangebote geprüft werden:

  1. Eine individuelle und fachkundige Beratung aller Bürgerinnen und Bürger rund um das Thema Pflege und die Unterstützung bei der Organisation der benötigten Dienstleistungen.
  2.  Das Angebot von Seminaren für alle Bürgerinnen und Bürger u. a. zu folgenden Themen:
  •          Was tun im Pflegefall: Organisatorische, finanzielle und rechtliche Aspekte
  •           Grundlagen der Pflege und Betreuung: Praktische Alltagstipps
  •           Herausforderung Demenz: Anzeichen erkennen und verstehen
  •           Stressbewältigung: Fit für die Doppelbelastung Beruf und Pflege
  •           Führungskräfteseminar: Pflegende Mitarbeiter/innen als Herausforderung für den/die Vorgesetzte/n

3.  Schaffung eines betrieblichen Betreuungsangebots für pflegebedürftige Angehörige von Mitarbeiterinnen und   Mitarbeitern der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit einem in Frankfurt ansässigen Träger der Alten- und Behindertenpflege.

4.       Unterstützung von Arbeitgebern zur Schaffung von betrieblichen Angeboten.

Begründung:

Drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden von einem Angehörigen gepflegt. Die Pflege und Unterstützung eines Familienmitglieds nimmt im Durchschnitt 36,7 Stunden pro Woche in Anspruch. Statistisch pflegt jeder siebte Beschäftigte in Deutschland über 40 Jahren einen Angehörigen zu Hause.

Auch für die Frankfurter Stadtverwaltung und alle anderen Arbeitgeber in Frankfurt hat dies zur Folge, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Doppelbelastung von Beruf und Pflege eines Angehörigen zu tragen haben. Ohne Unterstützung führt dies zur psychischen und physischen Überforderung der Beschäftigten und in der Folge zu deren krankheitsbedingten Ausfall.

Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden und attraktiv für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zu sein, spielt für die Stadt Frankfurt am Main und auch für alle anderen Arbeitgeber in Frankfurt in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels eine immer größere Rolle. Familienfreundliche und pflegesensible Rahmenbedingungen werden für Arbeitgeber zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil und Erfolgsfaktor.

Die Stadt Frankfurt am Main hält in ihrem Intranetangebot schon zahlreiche Informationen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die Angehörige pflegen. Jedoch erscheint es sinnvoll, dieses Angebot  ̶  in entsprechend abgewandelter Form  ̶  allen Bürgerinnen Bürgern zur Verfügung zu stellen und außerdem um weitere Serviceangebote, wie individuelle und fachkundige Beratungsangebote, Seminarangebote und die Schaffung eines betrieblichen Betreuungsangebotes, zu erweitern.

Mit den weiteren Serviceangeboten wären zahlreiche Vorteile, einerseits für die Arbeitgeber in Frankfurt (Reduktion von Fehlzeiten, Ausfall- und Nachbesetzungskosten; Stärkung der Mitarbeiterbindung; Verbesserung der Mitarbeitermotivation, Wahrnehmung als familienfreundliche Arbeitgeber) und andererseits für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Wertschätzung durch die Arbeitgeber; kompakte Informationen durch feste Ansprechpartner; Erfahrung von Toleranz und Verständnis von Vorgesetzten; Austausch mit ebenfalls Betroffenen) verbunden.