Historische Gaststätte „Zum Hirsch“ erhalten

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird aufgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die historische Gaststätte „zum Hirsch“ samt Gartenlokal in der Offenbacher Landstraße 289 zu erhalten. Zu diesem Zwecke bietet es sich beispielsweise an:

1. In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag den Eigentümer zum Erhalt des Bestandsgebäudes samt Nutzung als Gaststätte zu verpflichten.

2. Im Gegenzug kann die Stadt dem Eigentümer eine Befreiung gemäß § 31 des Baugesetzbuchs von des Festsetzungen des Bebauungsplanes SO 22a Nr1 – insbesondere hinsichtlich der Geschossflächenzahl – in Aussicht stellen, um so eine Fortführung der Bestandsbebauung entlang der Hirschhornstraße in zwei- bis dreigeschossiger Bauweise zu ermöglichen.

3. Den Kastanienbaum hinter der Liegenschaft Offenbacher Landstraße 289 auf dem Flurstück 386 zum Naturdenkmal gemäß § 28 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz zu erklären.

4. Gemäß § 10 Abs. 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes zu beantragen, das Gebäude auf der Liegenschaft Offenbacher Landstraße 289 in das Denkmalbuch einzutragen.

Begründung:

Die historische Gaststätte „Zum Hirsch“ ist ein identitätsstiftender Ort für den Stadtteil Oberrad. Über die bloße Gestalt des 300jährigen Gebäudes hinaus ist auch die Nutzung als Gaststätte wichtig, um der Stadtgesellschaft und dem Vereinswesen als Treffpunkt zu dienen. Insoweit ist es wünschenswert das Bestandsgebäude samt Nutzung zu erhalten. Zu diesem Ensemble gehört auch das rückwärtige Gartenlokal, welches wiederum von einem Kastanienbaum geprägt ist.

Gleichzeitig hat auch der Eigentümer berechtigte Interessen an einer wirtschaftlich tragfähigen Nutzung der Liegenschaft. Im Falle eines Neubaus setzt der Bebauungsplan SO 22a Nr1 jedoch zum Süden des Grundstücks eine Grenze der überbaubaren Fläche. Ein Neubau wäre von Gesetzes wegen somit zumindest insoweit von geringeren Ausmaßen als der Bestand. In nördlicher Richtung setzt jedoch die Geschossflächenzahl 1,0 und eventuell die Grundflächenzahl 0,4 der baulichen Ausnutzung Grenzen. Ferner erscheint es als fraglich, ob bei von dem Eigentümer anscheinend gewünschten Wohnbebauung der vorgeschriebene Gewerbeanteil des festgesetzten Mischgebietes nicht unterschritten würde. Um die Interessen des Eigentümers zu ermöglichen, könnten Befreiungen hiervon in Aussicht gestellt werden. Dies kann den Eigentümer dazu bringen sich im Gegenzug vertraglich zu verpflichten den historischen Bestand zu erhalten.

Um für den Fall Vorsorge zu treiben, dass eine einvernehmliche Lösung  nicht möglich ist es ratsam bereits jetzt den Kastanienbaum gemäß § 28 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes unter Schutz zu stellen sowie – soweit noch nicht geschehen – den Denkmalschutz für das Gebäude gemäß § 10 Abs. 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes zu beantragen.