Brexit

Stadtv. Stephanie Wüst  – FDP –

Pressemeldungen zufolge hat sich der Magistrat gemeinsam mit der Region auf einen möglichen Brexit vorbereitet. Ein hoher sechsstelliger Betrag soll in eine entsprechende Werbekampagne fließen.

Daher frage ich den Magistrat:

Was beinhaltet diese Werbekampagne im Einzelnen, und wann startet sie?

 

Antwort des Magistrats:

Frau Vorsitzende,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich möchte für uns alle als gute Europäer noch einmal feststellen, dass die Entscheidung, die in Großbritannien gefallen ist, eine schlechte Entscheidung war. Für uns Europäer ist es wichtig, dass wir gemeinsam unsere Werte in Europa nach vorne tragen und für diese Werte auch einstehen. Deshalb sind wir traurig über die Entscheidung in Großbritannien.

 

Aber die Entscheidung ist gefallen, und deshalb gilt es für uns, die Interessen der Stadt Frankfurt am Main so gut wie möglich dann auch zu vertreten. Bevor die Entscheidung gefallen war, haben wir uns selbstverständlich vorbereitet, obwohl wir nicht davon ausgegangen sind, dass Großbritannien so entscheiden wird. Deshalb waren wir vorbereitet auf eine mögliche Entscheidung für den Brexit und haben selbstverständlich die Wirtschaftsförderung und die FrankfurtRheinMain GmbH beauftragt und auch schon Kontakt zur Hessischen Landesregierung aufgenommen, um vorbereitet zu sein. Deshalb waren wir am Tag der Feststellung des Brexits vorbereitet, und seitdem sind wir selbstverständlich auch unterwegs, um für Frankfurt am Main zu werben. Wir haben viel gehört von „Roadshows“ und Tweets von Twitter und vieles andere. Das ist die eine Seite. Aber ich glaube, die Standortfaktoren, die wir hier haben, sind hervorragend. Diese Standortfaktoren sind nicht vom Himmel gefallen, sondern sie wurden hier in diesem Saal über viele Jahrzehnte ausgearbeitet, es wurden sehr viele Milliarden Euro investiert, und deshalb steht Frankfurt am Main mit einer hervorragenden Infrastruktur da. Deshalb wollen wir natürlich für Frankfurt am Main werben, und zwar mit der zentralen Lage, natürlich mit der Infrastruktur, ob es der Flughafen ist, der dazu beiträgt, dass sich viele Unternehmen hier in Frankfurt am Main niedergelassen haben und niederlassen werden, bis hin zur digitalen Infrastruktur, dass man hier in Frankfurt am Main die großen Rechenzentren hat, und dort, wo die gute analoge und die gute digitale Infrastruktur zusammenkommt, ist man hervorragend gerüstet. Die Werbung, die wir für den Standort betreiben werden, wird eine sehr authentische Werbung sein. Wir werden unsere internationale Stadt Frankfurt am Main authentisch beschreiben, und ich glaube, wir haben deshalb hervorragende Möglichkeiten für den einen oder anderen, hier in Frankfurt am Main einen Firmensitz zu bekommen.

Ich begrüße ausdrücklich, dass sich die Hessische Landesregierung mit unserem Ministerpräsidenten Volker Bouffier ganz an die Spitze der Bewegung gesetzt hat, denn wer für Hessen wirbt, wirbt im Grunde auch für Frankfurt am Main. Deshalb ist es für uns ganz logisch, dass wir mit unserer Wirtschaftsförderung, aber auch mit der regionalen FrankfurtRheinMain GmbH bis hin zum Frankfurt Main Finance e. V., unser lieber Kollege Dr. Raettig ist dort sehr engagiert, ich möchte mich an dieser Stelle für dieses tolle Engagement bedanken, werben.

Es nützt uns natürlich – ich möchte ja keine Wahlwerbung machen -, wenn innerhalb des Magistrats ausgewiesene Kenner der Finanzbranche die große Weisheit des Magistrats noch einmal von der praktischen Seite unterstützen. Und dass der Renminbi hier in Frankfurt gehandelt wird, das war schon Ausdruck des Engagements von Dr. Raettig. Deshalb glaube ich, das Beste, was wir machen können, ist, Kontakt aufnehmen mit den Menschen, die jetzt in London sitzen und sich Sorgen machen, wie es weitergeht, und ganz authentisch darlegen, was wir für eine Stadt sind und dass wir nicht nur tolle Standortfaktoren haben, von der Infrastruktur her, sondern ich glaube, das Entscheidende am Ende werden die Menschen sein, die hier in Frankfurt leben. So international, wie wir aufgestellt sind, in dem Verbund der Wissenschaft, so viele Hochschulen, die wir hier haben, insbesondere im Finanzsektor, von der Frankfurt School of Finance, wo wir letztens die Hochschule sozusagen begleitet haben, nicht nur beim ersten Spatenstich, sondern auch jetzt, wo man sieht, dass das Gebäude fertig wird, bis hin zum House of Finance der Goethe-Universität oder Montag die Veranstaltung mit der University of Applied Sciences zeigt, dass wir hier eine sehr enge Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft haben.

All diese Faktoren zusammen machen uns zu einem Standort, an dem sich Banken gut und zu Hause fühlen können, an dem sie gedeihen und ausgebaut werden können. Es ist hier gefragt worden, mit wie vielen Unternehmen wir rechnen, welche Auswirkungen wird der Brexit haben? Wir haben keine eigenen Zahlen, aber wir haben Zahlen von einigen Menschen, die Studien in Auftrag gegeben haben, von der Helaba bis zu vielen anderen, und sie sprechen davon, dass wir hier in Frankfurt damit rechnen dürfen, 5.000 bis 20.000 Arbeitsplätze nach Frankfurt zu holen. Aber ich finde, das spielt überhaupt keine Rolle, ob es 5.000, 10.000, 15.000, 20.000 oder 25.000 Arbeitsplätze sind. Wir strengen uns in den letzten Jahren für diesen Wirtschaftsstandort an, und wir werden uns jetzt natürlich ganz besonders anstrengen, weil wir froh um jeden sind, der nach Frankfurt kommt. Wir brauchen kluge und fleißige Menschen. Wenn wir sehen, dass wir im letzten Jahr fast 1,8 Milliarden Euro an Gewerbesteuer vereinnahmt haben, dann zeigt das, dass wir schon gut sind, dass wir mit diesem Pfund auch wuchern können und dass wir alle Chancen, die es gibt, wahrnehmen und dass wir breit angelegt, gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung, für diesen Standort werben wollen, weil es im Interesse der Stadt Frankfurt ist und weil es ein wichtiger Beitrag ist, eine wichtige Branche, die wir hier in Frankfurt haben, noch weiter zu stärken. Deshalb freue ich mich, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen und den Menschen sagen, dass sie in Frankfurt am Main willkommen sind. Wir stehen zu Europa und wollen gemeinsam mit vielen Menschen voller Tatendrang und guten Ideen Frankfurt am Main nach vorne bringen.

 

Stadtrat Markus Frank