Englisch als ergänzende Servicesprache in allen Bereichen des Magistrats einführen

Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird aufgefordert, Englisch als ergänzende Servicesprache in allen Bereichen der Stadtverwaltung einzuführen. Dabei sollen folgende Ziele erreicht werden:

  1. Kunden der Verwaltung können in allen Bereichen der Stadtverwaltung auf Wunsch auf Englisch kommunizieren.
  2. Sämtliche Informationsangebote der Stadtverwaltung stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung.
  3. Sämtliche Formulare der Stadtverwaltung stehen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Dokumente können von Kunden der Verwaltung sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch eingereicht werden, soweit gesetzliche Regelungen dem nicht entgegenstehen.
  4. Die Fremdsprachenkompetenz der Beschäftigten der Verwaltung wird gefördert und weiterentwickelt. Zu diesem Zweck werden Qualifizierungsangebote ausgearbeitet und allen beteiligten Mitarbeitern angeboten.
  5. Im Zuge der Umsetzung der Zweisprachigkeit sind Vorschriften, Formulare etc. auf ihre unbedingte Notwendigkeit zu überprüfen. Ist diese nicht ersichtlich, ist auf die entsprechenden Verordnungen, Formulare etc. ganz zu verzichten.

Begründung:

Englisch als ergänzende Servicesprache macht für die Stadt Frankfurt in besonderem Maße Sinn. Die Stadt gilt als eine der internationalsten Städte Deutschlands. Eine Reihe von internationalen Unternehmen und Organisationen haben hier ihren Sitz in Frankfurt (EZB, Messe, Flughafen, Börse, KfW, global tätige Unternehmen). Internationalität und wirtschaftlicher Erfolg ziehen weiterhin überproportional viele Unternehmen und Investoren aus dem Ausland an. Diese sind in besonderem Maße darauf angewiesen, Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland zu gewinnen bzw. Mitarbeiter von ausländischen Standorten nach Frankfurt zu entsenden (sogenannte Expatriates).
Auch mittelständische Firmen, kleine Handwerksbetriebe, Familienunternehmen, Technologie-Gründungen, etc., deren Wachstum durch den Fachkräftemangel begrenzt ist, suchen verstärkt nach ausländischen Fachkräften oder Auszubildenden.

Die Gewissheit, dass Unternehmer und Mitarbeiter bei Behördengängen in der englischer Sprache kommunizieren können, ist ein Wettbewerbsvorteil im Ringen um die Bindung und Neuansiedlung internationaler Unternehmen: Und damit bei der Schaffung neuer und Erhaltung existierender Arbeitsplätze in Frankfurt.

Nicht nur Expatriates profitieren von der Möglichkeit, mit Behörden auf Englisch zu kommunizieren. Allen Migranten erleichtert ein solches Angebot die ersten Wochen und Monate in Frankfurt. Führt Frankfurt die Zweisprachigkeit ein, so lebt es ein modernes Einwanderungskonzept vor, heißt Menschen aus aller Welt offen willkommen, lädt qualifizierte, arbeitswillige Menschen in den Arbeitsmarkt ein und zeigt sich erneut als weltoffene, lebenswerte Stadt.

Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist zentral für eine professionelle Zweisprachigkeit. Es kann nicht erwartet werden, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin die englische Sprache fließend beherrscht und ohne Vorbereitung und Unterstützung auf Englisch beraten kann. Daher müssen entsprechende Qualifikationsmaßnahmen in der Umstellungsphase angeboten werden.

Antragsteller:
Stv. Annette Rinn, Fraktionsvorsitzende