Fachkräftemangel Erzieher

Stadtv. Stefan Freiherr von Wangenheim  – FDP –

Während einer Fachtagung an der Frankfurt University of Applied Sciences wurde die Problematik des steigenden Fachkräftemangels der Erzieher diskutiert. Viele potenzielle Erzieherinnen und Erzieher haben einen Abschluss im Ausland erworben, der jedoch in Deutschland nicht anerkannt wird. Aufgrund der stetig wachsenden Kinderanzahl in Frank-furt brauchen wir dringend qualifizierte und engagierte Erzieherinnen und Erzieher, um die bisherige Quoten zu halten und sogar in manchen Stadtteilen verbessern zu können.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat:

Welche Möglichkeit sieht der Magistrat, das Potenzial an Fachkräften im Bereich der Kinderbetreuung zu nutzen, und welche Schritte/Projekte sind diesbezüglich geplant?

 

Antwort des Magistrats:

Fakt ist: Der Fachkräftemangel im Erziehungsberuf hat Frankfurt am Main sowie das Umland inzwischen erreicht. Die Stadt Frankfurt unternimmt viel, um den Standort für Fachkräfte im Erziehungsberuf attraktiv zu machen. In den letzten Jahren wurden verschiedene Ansätze zur verstärkten Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern entwickelt und umgesetzt. So wurde beispielsweise die Ausbildungskapazität der hiesigen Fachschule, der Berta-Jourdan-Schule, verdoppelt und zwei private Fachschulen im August 2012 eröffnet. An der Berta-Jourdan-Schule wurde zudem ein Teilzeitausbildungsangebot geschaffen, das eine verkürzte Ausbildung ermöglicht.

Darüber hinaus sind die Stadt Frankfurt, sowie der Eigenbetrieb Kita Frankfurt sehr aktiv in der Fachkräfte-Werbung. Der Eigenbetrieb wirbt beispielsweise auf Messen, in Fachschulen und in weiterführenden Schulen, bei eigenen Veranstaltungen sowie in verschiedenen Medien um Fachkräfte für unsere Frankfurter Einrichtungen. Zudem werden die potenziellen Fachkräfte aktiv bei der Wohnungssuche unterstützt und  ganzjährig Beratungsangebote angeboten. In Kooperation mit Vereinen und Institutionen werben wir außerdem Langzeitarbeitslose und junge Erwachsene in Eingliederungsprojekten an. Darüber hinaus gibt es eine Auslandsakquise von Fachkräften. Diesen bieten wir in Kooperation mit der VHS eine Sprachqualifizierung an. Zu erwähnen ist auch das eingeführte Stipendienprogramm des Eigenbetriebes Kita Frankfurt, über das wir Quereinsteigerinnen und -einsteigern einen erleichterten Zugang zur Abschlussprüfung bieten. Viele am Beruf der sozialpädagogischen Fachkraft Interessierte bringen bereits im Ausland erworbene Berufsabschlüsse und Erfahrungen mit. Jedoch ist in vielen Fällen eine vollständige Anerkennung derzeit noch nicht möglich. Um den genauen Qualifizierungsbedarf zu identifizieren ist in der Regel ein Antrag auf Anerkennung beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst – für Studienabschlüsse – oder beim Hessischen Kultusministerium – für Berufsabschlüsse – notwendig. In beiden Fällen ist das Verfahren der Beantragung sehr aufwendig und wenig transparent.

Die Anerkennungs-Verfahren für ausländische Berufsabschlüsse liegen nicht im Regelungsbereich der Stadt Frankfurt, sondern sind Sache der Landesbehörden. Der Magistrat wirbt jedoch gegenüber dem Land für die Möglichkeit, die Ausbildungszeit für gut Qualifizierte mit ausländischen Abschlüssen und Quereinsteigende mit sozialpädagogischen Vorkenntnissen in einem Modellversuch zu verkürzen. So könnten vorhandene Begabungsreserven geschöpft werden, ohne in das bewährte Ausbildungssystem einzugreifen und zugleich können die hohen Qualitätsstandards der Erziehungsausbildung bewahrt werden.

Eine endgültige Rückmeldung des HKM steht noch aus. Das Bildungsdezernat verfolgt  das Thema  dennoch parallel weiter, denn um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen, aber auch und besonders, um unseren Kindern schon früh gute Bildung zuteilwerden zu lassen, brauchen wir in einer wachsenden Stadt wie Frankfurt immer mehr gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte.