Fernwärmenetz

 

Frankfurt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 die Energieversorgung der Stadt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Hierzu soll ein Ausbau der Fernwärme/Nahwärme mit neuem Versorgungskonzept erfolgen. Kleinere Heizwerke sollen stillgelegt und durch Fernwärme ersetzt werden. Viele Frankfurter Neubaugebiet sind bereits am Fernwärmenetzwerk angeschlossen, damit Frankfurt jedoch sein ehrgeiziges Ziel des Masterplans schafft, bedarf es Beiträge aus der Stadtgesellschaft.

Ich frage daher den Magistrat:

Wie kann ein Anschluss auch aller älteren Wohngebäude an das Fernwärmenetz ermöglicht werden, und mit welchen Kosten ist dies für entsprechende Bestands-gebäude verbunden?

Antwort des Magistrats:

Im Stadtgebiet Frankfurt ist das Fernwärmenetz – anders als  beispielsweise die Gas- und Strominfrastruktur – nicht flächendeckend verlegt.

Voraussetzung für einen sowohl für Kunde als auch Versorger wirtschaftlich sich rechnenden Anschluss eines Wohngebäudes an die Fernwärmeversorgung ist, dass sich das Fernwärmenetz in unmittelbarer Nähe befindet. Eine Alternative zum unmittelbaren Anschluss an das Fernwärmenetz bilden sogenannte innovative Quartierslösungen. Mehrere Gebäude werden hierbei zu „Inselnetzen“ zusammengefasst und die Erzeugung durch die Kombination verschiedener erneuerbarer Technologien sichergestellt, um die Wärmeversorgung zunehmend emissionsarmer zu gestalten. Der Zusammenschluss von Quartieren und Siedlungen steigert in der Folge die Chancen, diese Inseln in das Fernwärmesystem zu integrieren.

So wurde in der Vergangenheit bei dem Neubaugebiet Riedberg und bei dem Gebiet Frankfurter Bogen (Bestand und Neubau) die Wirtschaftlichkeit von Fernwärmeanschlüssen untersucht. Das Energiereferat kam damals zum Ergebnis, dass der Anschluss an Nahwärme bzw. Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk die gesamtwirtschaftlich kostengünstigste und auch umweltverträglichste Wärmeversorgungsvariante ist. Hier war die Nähe der Neubaugebiete zum Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt entscheidend für die Wirtschaftlichkeit des Unterfangens.

Aus diesem Grund wurde eine Fernwärmesatzung durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Diese regelt, dass neu errichtete Gebäude an die Fernwärme anzuschließen sind. Damit wurde die Investition in das Fernwärmenetz abgesichert.

Auch im Gebäudebestand wäre eine solche Regelung für  jene Gebiete möglich und sinnvoll, in denen schon Fernwärme verfügbar bzw. demnächst verfügbar ist. Je mehr Kunden sich anschließen, desto kostengünstiger wird das System für alle. Eine Begründung des sogenannten Fernwärmerelaunches der Mainova war es entsprechend, freie Leistungskapazitäten für einen verstärkten Ausbau der Fernwärme im Bestand zu gewinnen.

Im Zuge der Energiekonzepte, die das Energiereferat mit dem Planungsamt erstellt, werden diese Fragen mituntersucht, wenn es vielversprechende Bestandsgebäude und kostengünstig zu erschließende (Ab)wärmepotenziale im Umkreis der neu zu entwickelnden Quartiere gibt.

Was die Anschlusskosten für Fernwärme angeht, gilt Folgendes:

Der Baukostenzuschuss für das vorgelagerte Versorgungsnetz ist leistungsabhängig und beträgt 59 EUR pro kW. Die Hausanschlusskosten werden abhängig von der Anschlusssituation ermittelt und können daher verallgemeinernd nicht beziffert werden. Sie orientieren sich ebenfalls an der angeforderten Leistung sowie den vorliegenden örtlichen Gegebenheiten, wie z.B. der Länge der Hausanschlussleitung und der Lage der Versorgungsleitung im öffentlichen Bereich. Die individuellen Investitionskosten für die Haustechnik der Gebäude sind hingegen die geringsten Kostenfaktoren. Sie bewegen sich nach einer Untersuchung der Firma Ebök aus Tübingen aus dem Jahr 2018 bei einem Einfamilienhaus sogar etwa 15% unter den Kosten einer Erdgasversorgung und bei einem Mehrfamilienhaus ca. 8,5% darunter.

Eine gute Gelegenheit für die Umstellung auf Fernwärme bieten die grundlegende Sanierung des Objektes/Mehrfamilienhauses, die Erneuerung oder Ertüchtigung der Heizungsanlage sowie Verdichtungsaktionen im Rahmen von Leitungsbauprojekten. In diesem Fall werden die Anlieger/Eigentümer über die bevorstehende Fernwärme-Netzerweiterung informiert und das Interesse an einem Anschluss und der Umstellung Ihrer Heiztechnologie auf Fernwärme abgefragt, um die Anschlüsse in die Leitungsbaumaßnahme integrieren zu können.

Leider lassen sich die Fernwärmeausbaukosten für ganz Frankfurt in der Kürze der Zeit nur schwer beziffern, da – wie dargestellt – abhängig vom Ort mit unterschiedlichen Kosten der Versorgungsleitungen zu rechnen ist. Generell aber gilt, dass sie deutlich über den Kosten eines zu verlegenden Erdgasnetzes liegen.

Vor dieser Problematik steht aktuell Amsterdam in Holland. Dort will man kurzfristig 10.000 erdgasversorgte Haushalte an die Fernwärme anschließen. Um dieses Anliegen zu befördert, fordert der zuständige Bürgermeisterumweltfreundliche Fernwärme von den Netz- und Durchleitungskosten zu befreien.

Antragstellende Person(en):
Stadtv. Michael Bross