FSV Frankfurt Fußball GmbH

Die FSV Frankfurt Fußball GmbH hat Insolvenz beantragt und ist zahlungsunfähig. Nach dem die Stadt zugunsten des seinerzeit scheinbar aufstrebenden Vereines bereits für circa 30 Millionen Euro das Volksbankstadion ausgebaut und erhebliche finanzielle Lasten auf sich genommen hatte, wurde jetzt bekannt, dass der FSV bereits über Monate keine Miete und Betriebskosten gezahlt hat.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat:

Mit Einnahmeausfällen in welcher Höhe rechnet der Magistrat nach der Insolvenz des FSV insgesamt, und welche Vorstellungen hat der Magistrat bei der Frage nach der künftigen Nutzung des Volksbankstadions?

 

Antwort des Magistrats:

Stadtrat Markus Frank:

Frau Vorsteherin,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

So parteiübergreifend hier in der Stadtverordnetenversammlung die Sorge um unseren FSV ist, so ist es auch im Magistrat. Wir machen uns alle große Sorgen um unseren FSV. Es ist gut, dass es ein so großes Interesse am Thema FSV Frankfurt gibt. Auch ich als Sportdezernent und vor allem als Aufsichtsratsvorsitzender der Sportpark Stadion GmbH, die den Betreibervertrag mit dem FSV für das Stadion am Bornheimer Hang abgeschlossen hat, bin auch in großer Sorge um die Existenz unseres Traditionsvereins, der in seiner langen Geschichte viele Hochs und Tiefs erlebt hat und es auch Zeiten gab, in denen er uns, insbesondere im Jahr 2008 – Sie erinnern sich an den atemlosen Aufstieg von der Regionalliga bis in die zweite Bundesliga -, begeistert hat.

Sie haben es angesprochen: Wir haben in die Sportstätte am Bornheimer Hang eine Menge investiert. Es gab viele Themen, die wir hier in der Stadtverordnetenversammlung besprochen haben, wie beispielsweise die Auflagen, die Scheinwerferanlage, die Rasenheizung. All diese Themen haben wir intensiv besprochen, sie sind uns allen also bekannt. Aber aufgrund des hohen Sympathiewertes unseres FSV in der Bevölkerung und der Unterstützung haben nicht zuletzt auch Sie als Stadtverordnete entschieden, dass wir am Bornheimer Hang in die Infrastruktur investieren, sie ausbauen, und wir haben natürlich auch einige hochinteressante Sportjahre auf hohem Niveau erlebt.

Die Nachricht der Insolvenz des FSV Frankfurt, die uns am 11.04.2017 erreicht hat, kam für uns auch überraschend, das muss ich hier ganz deutlich sagen. Klar, wir haben wenige Tage vorher Informationen vom neuen Präsidium bekommen, bei dem ich mich herzlich für die Offenheit und für die Offenlegung der Zahlen bedanken möchte. Wir sind mittlerweile in einem guten Gespräch mit dem Insolvenzverwalter, aber klar ist auch, dass wir gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die Rolle der früheren Entscheidungsträger beim FSV genau besprechen und aufklären müssen, ob zu jeder Zeit die Informationen, die vorgelegen haben, auch in die richtigen Hände weitergeleitet wurden. Neben der Rettung unseres FSV ist die Aufklärung, wie und wann welche Information zutage getreten ist und wie sie weitergeleitet worden ist, ein großes und wichtiges Thema. Sie können sicher sein, dass sich unsere Stadiongesellschaft, die zum Beispiel für die Stadionmiete der Gläubiger ist, mit großem Engagement an die Arbeit machen und es aufklären wird. Auf der anderen Seite bin ich dem neuen Präsidium und auch dem Insolvenzverwalter sehr dankbar, dass sie uns sehr offen und transparent über die jetzige Lage berichten. Das führt bei mir zu dem Glauben, dass wir aufklären werden, wer wann was zu welcher Zeit wusste. Das ist aber, wie ich glaube, auch die natürliche Aufgabe eines Insolvenzverwalters.

Ich wurde viel dazu gefragt und es wurde viel darüber gesprochen, dass die Stadt Frankfurt Gläubigerin ist. Ich habe es eben ausgeführt. Die Stadion GmbH, die ich als Aufsichtsratsvorsitzender vertrete, ist die Gläubigerin, wenn es um die Stadionmiete geht. Deshalb ist die Stadt nicht unmittelbar Gläubigerin, sondern die Stadiongesellschaft. Die Stadiongesellschaft hat auch die Verhandlungen mit dem FSV geführt, als es Anfang dieses Jahres darum ging, dem FSV die Stadionmiete zu erlassen oder zu stunden. Zunächst kam man auf die Geschäftsführung zu und bat darum, die Stadionmiete nicht bezahlen zu müssen. Wir haben das im Aufsichtsrat besprochen und haben es abgelehnt. Es gab eine Stundung und die Sicherung eines Teils dieser Summe. Wir können Ihnen heute keine genauen Summen nennen, denn wir sind erst am Anfang des Insolvenzprozesses. Die Zahlen werden gerade zusammengestellt beziehungsweise einen Teil der Zahlen haben wir schon, die kann ich aber jetzt noch nicht öffentlich machen. Ich bitte dafür um Verständnis. Aber es ist natürlich eine Summe, die sich im sechsstelligen Bereich einordnet.

Noch einmal: Wir haben im Rahmen der Beratungen im Aufsichtsrat unter Einhaltung des Gesellschaftervertrages beschlossen, dem FSV Frankfurt die Pachtzahlung für die laufende Saison teilweise zu stunden. Damals war nicht davon auszugehen, dass dem FSV Zahlungsunfähigkeit droht. Wir hatten damals Zahlen, aber es war nicht deutlich, dass der FSV ins Wackeln gerät. Ich habe eben die Frage gehört, warum wir nicht die Pistole gezogen und sie dem FSV an die Brust gehalten haben. Wir haben öfter Situationen, dass es Unternehmen oder Vereinen nicht gut geht. Aber dann ist es nicht Aufgabe der Stadt, die Pistole zu ziehen, sondern dann versuchen wir im Regelfall, mit unserem Know-how und unseren Verbindungen dafür zu sorgen, dass ein Verein oder ein Unternehmen aus dieser schwierigen Situation wieder herauskommt, weil wir ein großes Eigeninteresse daran haben, dass Unternehmen oder Vereinen die Weiterarbeit möglich ist, insbesondere beim FSV. Wenn wir früher gewusst hätten, dass sie sich in einer schwierigen Phase befinden, hätten wir natürlich reagiert. Aber noch einmal: Das haben wir erst zu einem sehr späten Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz von dem neuen Präsidium mitgeteilt bekommen. Sie wissen ja, dass das alte Präsidium erst zum 31.03.2017 zurückgetreten ist. Insofern ist es unsere Aufgabe, immer den Blick in die Zukunft zu richten. Auch jetzt. Wir haben am Bornheimer Hang eine große Investition getätigt und machen uns natürlich große Sorgen, weil der FSV auch der Betreiber dieses Stadions ist. Diese Investition muss natürlich weiter genutzt werden können.

Wir haben die Hoffnung, dass sich der FSV, wenn auch in der nächst niedrigeren Liga – das wäre die vierte Liga -, neu aufstellt, aber auch das – das muss ich deutlich sagen – ist harte Arbeit. Da kann man unserem FSV nur wünschen, dass ihm das gelingt. Auf der anderen Seite haben wir einen zweiten Nutzer für die Sportanlage am Bornheimer Hang, das ist Frankfurt Universe. American Football hat sich sehr gut entwickelt, auch von den Zuschauerzahlen her. Insofern werden die Haupttribüne und das Hauptfeld nicht ungenutzt bleiben. Im Übrigen gibt es neben der FSV GmbH noch den Verein. Einige von Ihnen haben das durcheinandergebracht. Klar. Wenn es der GmbH nicht gut geht, kann es natürlich auch auf den Verein zurückschlagen. Dazu gibt es zurzeit auch Verhandlungen und Gespräche. Wir hoffen, dass der Verein am Leben bleibt. Der FSV e. V. ist seit 1899 ein Traditionsverein und leistet wichtige Jugendarbeit für den Sport in Frankfurt, deshalb bleibt mir jetzt erst einmal, den neuen Verantwortlichen dafür zu danken, dass sie die Verantwortung angenommen haben. Es ist auf der einen Seite eine sehr große Aufgabe, sich in so einer schwierigen Phase um einen Sportverein zu kümmern. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass der FSV nicht nur eine lange Tradition hat, sondern dass er aus dieser schwierigen Situation wieder herauskommt. Wir werden ihn unterstützen, aber wir werden ihn nicht mit finanziellen Mitteln unterstützen können, sondern mit dem Know-how, das wir haben, und versuchen, den einen oder anderen zu finden, der hilft, dem FSV zu helfen.

 

Stadtverordnete Elke Tafel-Stein: Zusatzfrage

Herr Stadtrat, ich habe selten so viele Worthülsen gehört wie heute zu dieser wichtigen Frage für diese Stadt, zu unserem FSV, wie wir so gerne sagen. Sie haben ausgeführt, dass letztendlich nicht der Magistrat verantwortlich ist oder die Stadt Frankfurt, sondern eine städtische GmbH, nämlich die Stadion GmbH, und deswegen können Sie nichts sagen. Meine Frage: Wer vom Magistrat und aus der Stadtverordnetenversammlung ist denn im Aufsichtsrat dieser GmbH und trägt somit indirekt die Verantwortung, auch zu informieren?

Stadtrat Markus Frank, fortfahrend

Der Aufsichtsratsvorsitzende steht hier und informiert Sie. Selbstverständlich hat der Aufsichtsratsvorsitzende auch Verantwortung für die Gesellschaft. Das ist überhaupt keine Frage. Ich informiere Sie so gut ich kann. Aber ich kann Ihnen auch nur die Informationen weitergeben, die ich habe, und das mache ich auch gerade.

 

Stadtverordnete Annette Rinn: Zusatzfrage

Herr Stadtrat, Sie sagten gerade, die möglichen Einnahmeausfälle für die Stadt würden im sechsstelligen Bereich liegen. Dass Sie keine konkreten Zahlen nennen können, kann ich verstehen. Aber ob die näher an 100.000 oder an 1.000.000 Euro sind, werden Sie doch sicherlich schon heute sagen können.

 

Stadtrat Markus Frank, fortfahrend

Ich habe gesagt, es ist eine sechsstellige Summe. Keine kleine sechsstellige Summe, damit haben wir ungefähr eine Größenordnung. Frau Rinn, wir haben auch noch eine Sorge. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist fleißig, hat ein wunderbares Team und der muss auch erst alles zusammenstellen. Dann wird es von der Substanz her Gespräche geben, die dann noch da ist, wer was bekommt. Insofern ist es extrem schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Zahlen zu nennen. Aber die Zukunft für den Bornheimer Hang sieht nicht so gut aus, das muss man sagen, weil es ein Unterschied ist, ob man einen Zweitliga-Fußballverein hat oder nicht. Die Hoffnung hatten wir noch im Januar, da waren wir zusammen beim FSV und tabellarisch hätte das alles passieren können, auch durch diese schönen Fernsehgelder. Wenn das Fernsehgeld in den Verein gespült wird, dann freut sich auch der Stadionbetreiber. Wenn das aufhört, ist das umso härter. Es ist leider so.

 

Antragstellende Person(en):
Stadtv. Annette Rinn