Gewalt an Schulen

Eine Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung, VBE, hat ergeben, dass an jeder dritten Grundschule in Deutschland Lehrer von ihren Schülern angegriffen und gemobbt werden. Fälle von Mobbing, Diffamierung und Belästigung über das Internet gab es laut Studie an jeder fünften Schule. Beschimpfungen, Bedrohungen und Beleidigungen waren an Haupt-, Real- und Gesamtschulen am häufigsten, 59 Prozent, gefolgt von Grundschulen, 46 Prozent, und Gymnasien, 33 Prozent.

Ich frage daher den Magistrat:

Sind dem Magistrat vergleichbare Fälle an Frankfurter Schulen bekannt, und welche Unterstützung erhalten betroffene Schulen und Lehrkräfte vom Stadtschulamt beziehungsweise von der Stadt?

 

Antwort des Magistrats:

Dem Stadtschulamt liegen keine Informationen über eine Zunahme von Gewalt an Frankfurter Schulen beziehungsweise Mobbingfällen vor, allerdings ist durch die Nutzung von Neuen Medien eine neue Qualität entstanden. Es ist sinnvoll, in Bezug auf Gewalt und Mobbing einen präventiven Ansatz zu verfolgen. Wenn an einer Schule ein positives, vertrauensvolles und wertschätzendes Klima herrscht, gehen Gewalt und Mobbingfälle zurück beziehungsweise können schneller und besser erkannt und bearbeitet werden.

Es gibt eine Vielzahl von Beratungs- und Unterstützungsangeboten in unterschiedlicher Trägerschaft: innerhalb des Schulwesens, kommunal im Rahmen der Jugendhilfe, durch freie Träger oder private Initiativen.

Die Stadt Frankfurt hat an 40 weiterführenden Schulen Jugendhilfeangebote eingerichtet. Dabei handelt es sich um Schulen mit den Bildungsgängen Haupt- und Realschule sowie Schulen mit Förderschwerpunkt Lernen. Mit dem Projekt „Haltekraft stärken“ wird derzeit erstmalig ein Angebot an einem Gymnasium erprobt.

Ein wichtiger Umsetzungsbaustein im Rahmen des Förderprogramms „Jugendhilfe in der Schule“ ist das Soziale Lernen. Hier spielen das Einüben von Fairness, Kooperation und Streitkultur eine zentrale Rolle. Die Jugendhilfe wird als kompetente Ansprechpartnerin insbesondere bei der Bearbeitung von Konflikten wahrgenommen. Weiterhin werden an vielen Schulen Streitschlichterinnen und Streitschlichter ausgebildet, oft auch unter Beteiligung der Jugendhilfe, und es finden Präventionsangebote unter anderem zu den Themen „Umgang mit Medien“ und Mobbing statt.

In dem Haushalt 2018 hat der Magistrat zusätzliche Mittel eingestellt, um die Jugendhilfe in den weiterführenden Schulen in allen Schulformen zu verstärken. Darüber hinaus gibt es seit 2015 das Förderprogramm „Jugendhilfe in der Grundschule“ im Rahmen der Modellregion Inklusive Bildung. Dieses Programm wird derzeit auf alle Frankfurter Bildungsregionen ausgeweitet, sodass grundsätzlich für alle Frankfurter Grundschulen Unterstützungsangebote möglich sind.

Weitere präventive Maßnahmen werden durch die Bildungsstätte Anne Frank und durch das Amka an den Schulen angeboten: Die Koordinierungsstelle „Antiradikalisierung und Prävention“ im Amt für multikulturellen Angelegenheiten bietet in Kooperation mit Bildungsträgerinnen und Bildungsträgern Fortbildungen und Qualifizierungen an, vernetzt und berät Akteurinnen und Akteure in Frankfurt, koordiniert Projekte und kommunale Gremien und bereitet Wissen zu den Themen Prävention sowie diversitätsorientierte und diskriminierungskritische politische Jugendarbeit“ auf. Seit 2013 gibt es das von der Stadt gegründete „Ämternetzwerk gegen Extremismus“, das demokratische Bildung und Prävention für Kitas, Schulen und andere Einrichtungen anbietet. So veranstaltet die Bildungsstätte Anne Frank regelmäßig Workshops für Schülerinnen und Schüler und Fortbildungen von Lehrkräften, um sie im Erkennen und Bekämpfen von Mobbing zu befähigen.

Seit 2007 wird das Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen, GuD“ des Hessischen Kultusministeriums mit dem Ziel angeboten, Schulen bei der nachhaltigen Implementierung von gewaltpräventiven und demokratieförderlichen Programmen durch Fortbildung und Beratung zu unterstützen. Von 2015 bis 2019 fördert das Programm „Partnerschaft für Demokratie“, ein Gemeinschaftsprojekt des Amtes für multikulturellen Angelegenheiten und der Bildungsstätte Anne Frank, kommunale Initiativen zu Vielfalt, Demokratieförderung und Antidiskriminierung.

Die Bildungsstätte Anne Frank führt in Frankfurt bereits regelmäßig Workshops für Schülerinnen und Schüler und Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema durch. Lehrkräfte werden dabei befähigt, Antisemitismus und Mobbing in den verschiedenen Erscheinungsformen zu erkennen und darin unterstützt, einen Umgang im Kontext Schule zu finden. In akuten Fällen können Schulleitungen und Kollegium außerdem das Beratungsangebot der Bildungsstätte in Anspruch nehmen, um qualifiziert und rasch zu reagieren, betroffene Schülerinnen und Schüler zu schützen und ein deutliches Zeichen für ein diskriminierungsfreies Schulklima zu setzen. Jugendliche werden in den Workshops für aktuelle Erscheinungsformen von antisemitischem Mobbing sensibilisiert, die vom Schimpfwort bis Rap zur jugendlichen Alltagskultur und zum Schulalltag gehören.

Einen wichtigen Beitrag für Bekämpfung von Antisemitismus und Mobbing in Schulen leistet das Schülernetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das hessenweit von der Bildungsstätte Anne Frank koordiniert wird. Auch der seit 2017 von der Stadt ausgeschriebene Frankfurter Schulpreis beschäftigt sich mit dem Thema Mobbing. Prämiert werden Projekte von Schülerinnen und Schülern, die das Thema „Demokratielernen“ und die Verbesserung des Schulklimas zum Inhalt haben.