Industriepark Griesheim

Die FAZ berichtete vor Kurzem, 02.02.2017, unter der Überschrift „Schier unaufhaltsamer Niedergang in Griesheim“ über die Situation des dortigen Industrieparks. Die Beschäftigtenzahlen seien seit den Neunzigerjahren deutlich zurückgegangen und Neuansiedlungen von Firmen ließen auf sich warten. Ein Insider fordert eine Zusammenkunft der ansässigen Unternehmen mit dem Magistrat. Es brauche nach seinen Worten ein neues Nutzungskonzept, sonst gäbe es keine Zukunft für den Industriepark.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat:

Wie kommentiert der Magistrat den oben genannten Bericht, und mit welchen Maßnahmen gedenkt er den Industriepark mittel- und langfristig zu unterstützen?

 

Antwort des Magistrats:

Der Magistrat bekennt sich klar zum Industriepark Griesheim, der mit seinem spezifischen Flächenangebot einen unersetzlichen Beitrag zur Vielfalt der Gewerbe- und Industriegebiete sowie zur breiten Diversifizierung der Frankfurter Wirtschaft – und damit zu Stabilität, Wachstum und Wohlstand – leistet, und teilt nicht die Auffassung eines unaufhaltsamen Niedergangs. Stattdessen strebt der Magistrat an, die Flächen im Industriepark als industriell nutzbare Flächen zu erhalten und den Industriestandort in Griesheim weiterzuentwickeln.

Durch seine hervorragende infrastrukturelle Anbindung mit eigenem Stückguthafen, Gleisanschluss und schnell erreichbarem Flughafen verfügt der Industriepark Griesheim über sehr gute Standortvoraussetzungen. Mit seinem spezifischen Dienstleistungsangebot – beispielsweise in den Bereichen Versorgung, Entsorgung, Logistik oder Gefahrenschutz – ist er besonders gut auf die speziellen Anforderungen produzierender Unternehmen, wie etwa der Chemie-/ Prozessindustrie, ausgerichtet und bietet ein Flächenangebot, wie es in Frankfurt am Main in Gewerbegebieten außerhalb der Industrieparks nicht vorkommt.

Die letztjährige Entscheidung der SGL Carbon, das Werk Griesheim aufgrund der anhaltend schwierigen Marktsituation für Graphitelektroden zu schließen, hat der Magistrat mit Sorge aufgenommen, da der Wegzug einzelner Unternehmen die Kostensituation für die bestehenden Unternehmen am Standort weiter verschärft. Das vorhandene Entwicklungspotenzial des Industrieparks zeigen aber mehrere aktuelle Unternehmensanfragen zu Flächen, im Einzelfall bis zu 30 Hektar, in Griesheim. Das im FAZ-Artikel erwähnte Projekt eines Reservekraftwerks wird ebenfalls weiter verfolgt. Ausschlaggebend für den Fortschritt des Projekts waren neue bundeseinheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Hessen wird in dem neuen Strommarktgesetz explizit als ein möglicher Standort für Netzstabilitätsanlagen genannt.

Der Magistrat unterstützt den Industriepark Griesheim sowohl im Rahmen der Bestandspflege durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt als auch des Ansiedlungsmanagements mit vielfältigen Maßnahmen. Bei der Akquise neuer Unternehmen wird die Wirtschaftsförderung Frankfurt von der hessischen Ansiedlungsagentur Hessen Trade & Invest GmbH sowie der regionalen Standortmarketinggesellschaft FrankfurtRheinMain unterstützt. Diese suchen den Kontakt zu ansiedlungsinteressierten Unternehmen im Ausland, mit dem Ziel, neue Investitionen auch für den Standort Frankfurt am Main zu generieren. Im Rahmen der Bestandspflege steht die Wirtschaftsförderung Frankfurt mit dem Betreiber des Industrieparks, Infrasite Griesheim, sowie dem Grundstückseigentümer Clariant in regelmäßigem Austausch, um mögliche Maßnahmen zu erörtern. Auch mit den Geschäftsführern der Unternehmen sowie den Betriebsräten pflegt die Wirtschaftsförderung einen kontinuierlichen Dialog.

Der Magistrat sieht mit dem 2016 verabschiedeten Masterplan Industrie die Qualifizierung und Profilierung von Gewerbegebieten vor. Dies betrifft sowohl die Verkehrsinfrastruktur als auch die digitale Infrastruktur sowie weitere Maßnahmen. Durch ein Flächensicherungskonzept soll zudem der langfristige Schutz von Gewerbe- und Industrieflächen mit klarer Nutzungspriorität für das verarbeitende Gewerbe garantiert werden.

Der Magistrat befürwortet es des Weiteren, planungsrechtliche Wege zu gehen, um Nachbarschaftskonflikte von Beginn an zu vermeiden oder zu entschärfen. Nutzungskonflikte, etwa durch heranrückende Wohnbebauung, sollen bereits im Vorfeld planungs- und baurechtlich berücksichtigt werden. Die Zukunftsfähigkeit des Industrieparks Griesheim und dessen Attraktivität für Investoren hängt nicht zuletzt auch wesentlich von der Akzeptanz in der Bevölkerung und deren Bewusstsein für die vielfältige und weitreichende Bedeutung der Industrie für die gesamte Wirtschaft, die gesellschaftliche Stabilität und das Wohl der Stadt Frankfurt am Main ab.

Der Magistrat und die Wirtschaftsförderung begrüßen ausdrücklich das Engagement aller Beteiligten, die sich für die Zukunft des Industrieparks Griesheim einsetzen und stehen einem Austausch mit beteiligten Unternehmen und Vertretern selbstverständlich offen gegenüber.