Masterplan Industrie

Im Jahr 2016 wurde vom Stadtparlament der sogenannte Masterplan Industrie in Form der Vorlage M 182/2015 beschlossen, und mit ihm 30 Projekte in acht verschiedenen Handlungsfeldern.

Ich frage den Magistrat:

Zu welchen Ergebnissen beziehungsweise Zwischenergebnissen haben die Arbeiten in den verschiedenen Handlungsfeldern bisher geführt, und in welcher Form wird der Magistrat künftig regelmäßig über die Sachstände in allen 30 Projekten berichten?

 

Antwort des Magistrats:

Der im Januar 2016 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Masterplan Industrie für die Stadt Frankfurt am Main umfasst die industriepolitischen Empfehlungen aus dem Räumlich-funktionalen Entwicklungskonzept Gewerbe Frankfurt am Main sowie den Werkstattberichten zu acht industriepolitischen Handlungsfeldern, siehe M 182 Masterplan Industrie. Im Koalitionsvertrag 2016 bis 2021 vereinbarten CDU, SPD und DIE GRÜNEN, alle 30 Projekte auf acht den industriepolitischen Handlungsfeldern dezernatsübergreifend umzusetzen.

Zum 01.10.2016 wurde mit der Einrichtung des Kompetenzzentrums Industrie bei der Wirtschaftsförderung eine zentrale Forderung des Masterplans Industrie umgesetzt. Das Kompetenzzentrum Industrie koordiniert als Schnittstelle zwischen Stadt, Wirtschaft und Verbänden die Projekte des Masterplans Industrie, entwickelt gemeinsam mit Netzwerkpartnern industriepolitische Maßnahmen auf verschiedenen Handlungsfeldern und verfolgt deren Umsetzung. Im Hinblick auf die Stärkung des Industriestandorts liegen die Aufgaben des Kompetenzzentrums Industrie vorwiegend in der Umsetzung strukturpolitischer Projekte, der Bestandspflege und der Ansiedlungsunterstützung im Rahmen der Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt am Main sowie in der Umsetzung weiterer industriepolitischer Aufträge des Magistrats.

Der Beirat Industrie der Stadt Frankfurt am Main trägt zu einer weiteren Institutionalisierung des Netzwerks Industrie in Frankfurt am Main bei und versammelt sich mehrmals im Jahr zu seinen Sitzungen bei der Wirtschaftsförderung Frankfurt, um Ergebnisse und Zwischenergebnisse zu Projekten zu erörtern und deren Umsetzung zu unterstützen.

Das Kompetenzzentrum Industrie nahm gemeinsam mit dem Beirat Industrie der Stadt Frankfurt am Main eine Priorisierung der Projekte aus dem Masterplan Industrie vor, um den Masterplanprozess erfolgreich weiterzuführen. Die im Masterplan Industrie vorgesehenen Projekte werden zusammenhängend und sich wechselseitig verstärkend angegangen und nach einem strukturierten und breit angelegten Prozess umgesetzt.

Der Masterplan Industrie der Stadt Frankfurt am Main erhält auch bundesweite Anerkennung. In dem BMWi-Projekt „Gesellschaftlicher Dialog zur Zukunft der Industrie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, BMWi, wurde der Masterplan Industrie der Stadt Frankfurt am Main gemeinsam mit fünf weiteren Industrieinitiativen in Deutschland als „Good-Practice“-Modellinitiative ausgewählt.

Die Projekte auf dem Handlungsfeld Räumlich-funktionales Entwicklungskonzept, RfEk, des Masterplans Industrie haben eine hohe Priorität in der Umsetzung. Das vorgesehene Flächensicherungskonzept befindet sich zur Zeit noch in der Erstellung durch das Stadtplanungsamt, = Fortschreibung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms, und soll als eine Grundlage für die weiteren flächenrelevanten Projekte wie der Einrichtung einer Entwicklungsgesellschaft im Rahmen der städtischen Liegenschaftspolitik, der Einrichtung eines Gewerbeflächen-Monitorings oder der Entwicklung eines Digitalen Gewerbegebietes dienen. Die Leitlinien des Räumlich-funktionalen Entwicklungskonzepts Gewerbe Frankfurt am Main sollen hierzu im Flächensicherungskonzept sowie im Integrierten Stadtentwicklungskonzept, IStEk, Frankfurt 2030 verankert und integriert werden, um eine Umsetzung der Projekte des Masterplans Industrie sowohl auf dem Handlungsfeld räumlich-funktionales Entwicklungskonzept als auch auf den anderen industriepolitischen Handlungsfeldern zu ermöglichen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme zur 3. Änderung des Landesentwicklungsplans Hessen 2000 hob der Beirat Industrie der Stadt Frankfurt am Main unter anderem die Bedeutung der Industrie für eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung als auch die Notwendigkeit einer ausreichenden Gewerbeflächenbereitstellung in Frankfurt am Main hervor.

In mehreren Gewerbegebieten in Frankfurt am Main erfolgen Maßnahmen zur Aktivierung von Gewerbeflächenpotenzialen sowie deren Qualifizierung und Profilierung, unter anderem Carbone – Kalbach -, Carl-Benz-Straße – Fechenheim -, Eschborner Landstraße – Rödelheim -, Guerickestraße – Rödelheim -, Gwinnerstraße – Seckbach -, Industrieparks – Höchst, Griesheim, Fechenheim -, Mainzer Landstraße West – Griesheim -, Oberhafen – Ostend -, Sandelmühle – Heddernheim -, Wächtersbacher Straße – Fechenheim -, Wilhelm-Fay-Straße – Sossenheim.

Im Rahmen eines „Industriestraßenprogramms“ erfolgt eine grundhafte Sanierung und Erneuerung von Straßen in Industrie- und Gewerbegebieten, um eine funktionale und gestalterische Aufwertung des Umfeldes der dort ansässigen Unternehmen sowie die Festigung und Weiterentwicklung der Stadt Frankfurt am Main als Industrie- und Gewerbestandort zu erreichen. Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt geschätzt bei etwa 75 Millionen Euro, zum Beispiel in den Gewerbegebieten Carl-Benz-Straße – Fechenheim -, Gwinnerstraße – Seckbach -, Nieder-Eschbach – Nieder-Eschbach -, Oberhafen, Unterhafen – Ostend -, siehe B 342 Programm Sanierung von Industriestraßen.

Im Modellprojekt Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim Nord/Seckbach verfolgt die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem Energiereferat unter anderem folgende Maßnahmen: Einrichtung eines Quartiersbüros, Bündelung von Beratungs- und Fördermöglichkeiten, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, Profilierung und Außendarstellung des Standortes, Unterstützung bei der Etablierung einer Standortinitiative, Erarbeitung und Umsetzung eines gebietsbezogenen Energiekonzepts, Umsetzung eines operativen Flächen- und Leerstandsmanagements, Initiierung eines betrieblichen Mobilitätsmanagements, Vernetzung der Akteure vor Ort zur Aktivierung von Synergien.

In Fechenheim an der Stadtgrenze zu Maintal werden gegenwärtig planungsrechtliche Grundlagen für die Entwicklung neuer Gewerbeflächen geschaffen, um eine Neuansiedlung von Gewerbebetrieben bereitzustellen, siehe B-Plan 921 Südlich Wilhelmsbader Weg.

Beim Ausbau der digitalen Infrastruktur führen verschiedene Maßnahmen zu einer deutlichen Verkürzung der Genehmigungszeiten, siehe B 270 Die digitale Infrastruktur in Frankfurt weiter ausbauen. Zu den Maßnahmen gehören eine stärker parallele Antragsbearbeitung, mehr Personal in den zuständigen Fachabteilungen sowie eine höhere Transparenz bezüglich der erforderlichen Antragsdokumente. Weitere Maßnahmen sind vorgesehen unter anderem zur Verkürzung der Genehmigungsprozesse bei der Realisierung digitaler Infrastrukturversorgungen, zur aktiven Erschließung von Gewerbegebieten und Unterstützung bei der Versorgung von Gewerbegebieten mit ultraschneller Infrastruktur, zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für ansässige Unternehmen bezogen auf Stromverfügbarkeit und Stromkosten sowie Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sind im Rahmen eines Maßnahmenprogramms vorgesehen, siehe B 308 Digital Hub: Ausbau der digitalen Infrastruktur; Stärkung von Attraktivität, Image und Bekanntheit der „digitalen Metropole“ FrankfurtRheinMain.

Im Rahmen des BMWi-Projekts „Gesellschaftlicher Dialog zur Zukunft der Industrie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, BMWi, erarbeitete das Kompetenzzentrum Industrie gemeinsam mit dem N3tzwerk Zukunft der Industrie ein neues Dialogformat und führte eine Zukunftswerkstatt Ausbildung Industrie 4.0 für Frankfurt am Main durch, um den Dialog zwischen Schulen und Industrieunternehmen zu fördern. Die zielgruppenspezifischen Dialogveranstaltungen Frankfurter Industrieabend, Branchengespräche mit Gewerkschaften und Industrieparkgespräch werden ebenso fortgesetzt.

Die Akteure des Netzwerks Ausbildung und Arbeit verständigten sich auf eine namentliche Umbenennung und Fokussierung des Netzwerkes. Damit verbunden ist eine Fokussierung des etablierten Netzwerkes auf Ausbildung und Arbeit. Die Ziele des Netzwerks sind unter anderem die Erhöhung der Übergangsquote in duale Ausbildung, die Hinführung von An- und Ungelernten zum Berufsabschluss und die Weiterentwicklung und Vernetzung bestehender Förderangebote.

Das Projekt f>>forward w(Frankfurt Forward) wurde mit zehn erfolgten Matchings zwischen jungen Start-up-Unternehmen, die maßgeschneiderte Industrie 4.0-Lösungen entwickeln, und etablierten Industrieunternehmen erfolgreich abgeschlossen und soll weitergeführt werden.

Das Kompetenzzentrum Industrie traf mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt/TU Darmstadt eine Kooperationsvereinbarung „Entwicklung von Digitalisierung in den mittelständischen Unternehmen Frankfurt am Main“. Die Kooperation soll dazu beitragen, Frankfurt am Main zu einem Standort für eine moderne Industrie weiterzuentwickeln. Das Projekt sieht eine gemeinsame Ansprache und Aktivierung von Frankfurter Unternehmen des produzierenden Gewerbes für die Inanspruchnahme des Angebots des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Darmstadt sowie eine Förderung der Vernetzung der Betriebe zum Thema Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0 vor.

Das Kompetenzzentrum Industrie beteiligt sich gemeinsam mit dem Energiereferat am Projekt „Innovationsraum BioBall Nutzung bio-basierter Stoffströme in industriell-urbanen Räumen“ im Rahmen der Fördermaßnahme „Innovationsraum Bioökonomie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF. Das Konzept der Bioökonomie sieht eine Transformation einer auf fossile Rohstoffe basierenden zu einer auf nachwachsende Rohstoffe basierenden Wirtschaft vor. Das Projekt befindet sich in der Konzeptphase mit weiteren Kooperationspartnern, unter anderem Infraserv Höchst, TU Darmstadt, DECHEMA.

Der Masterplan Industrie stellt einen fortlaufenden Prozess dar, über dessen Ergebnisse und Zwischenergebnisse im Beirat Industrie der Stadt Frankfurt am Main und im Rahmen des Jahresberichts der Wirtschaftsförderung Frankfurt sowie im Jahresbericht des Magistrats zum Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main berichtet wird.

Antragstellende Person(en):
Stadtv. Stephanie Wüst