Mehrsprachigkeit

Stadtv. Stefan Freiherr von Wangenheim  – FDP –

In Frankfurt am Main wachsen mehr als die Hälfte aller Kinder zwei- und mehrsprachig auf. Das Frankfurter Integrationskonzept stellt zutreffend fest: .Muttersprachen sind kostenlose Bildung.. Eine gelungene Mehrsprachigkeit schafft zusätzliche Chancen im Beruf und für den weiteren Lebensweg. Mehrsprachigkeit gelingt jedoch nicht von allein. Am 15.02. orga-nisierte das AmkA gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt eine große Fachtagung zum Thema .Mehrsprachigkeit. für Pädagogen und Fachkräfte.

Daher frage ich den Magistrat:

Welche konkreten Maßnahmen bestehen aktuell zur Förderung von Mehrsprachigkeit?

 

Antwort des Magistrats:

Vielen Dank für diese wichtige Frage. Denn sie macht einerseits deutlich, wie reich diese Stadt an kulturellem Kapital ist, das es zu entdecken und zu fördern gilt. Und sie gibt mir zugleich die Gelegenheit, einem immer noch weit verbreiteten Vorurteil entgegen zu wirken, nämlich dass die Förderung herkunftssprachlicher Kompetenzen in einem Widerspruch zu einem guten Deutscherwerb stünde. Dies ist nicht der Fall! Für einen guten Deutscherwerb ist vielmehr die faktische Mehrsprachigkeit der Kinder professionell zu berücksichtigen. Die Wertschätzung und Förderung der Herkunftssprache hat für mehrsprachige Kinder und Jugendliche große Bedeutung sowohl für einen gelingenden Deutscherwerb wie auch für die Entwicklung ihrer persönlichen Identität; sie bedeutet eine weitere Qualifikation und zusätzliche Stütze für ihre künftige Teilhabe an der Gesellschaft und an demokratischen Prozessen.

Auch für Kinder, die einsprachig aufwachsen, ist es vorteilhaft, früh und mit professioneller Begleitung mit verschiedenen Sprachen in Kontakt zu kommen, für den eigenen Sprach- und Schriftspracherwerb, ihren späteren Fremdsprachenerwerb und nicht zuletzt auch im Rahmen ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Entsprechend ist der professionelle Umgang mit Mehrsprachigkeit in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus von Spracherwerbs- und Bildungsforschung gerückt. Diesen Zusammenhängen war der von Ihnen erwähnte Fachtag gewidmet.

In einem Pilotprojekt unterstützt das AmkA gemeinsam mit Kita Frankfurt städtische Kindertagesstätten bei neuen Konzepten der alltagsintegrierten Sprachförderung – gerade auch unter dem Gesichtspunkt der faktischen Mehrsprachigkeit der meisten Kinder.

Dem AmkA sind in Frankfurt circa 50 Migrantenvereine bekannt, die weitgehend ehrenamtlich herkunftssprachlichen Unterricht anbieten. Angesichts der zurückgehenden Angebote an den Schulen, gilt es, diese Arbeit weiter zu fördern. Der Magistrat verfolgt daher das Ziel, die Arbeit dieser Vereine in den kommenden Jahren systematischer zu unterstützen. Dazu gehört eine signifikante Erhöhung des entsprechenden Förderbudgets des AmkA; aktuell ist es mit 29.000 Euro auch nicht annähernd adäquat. Nur etwa ein Viertel der Vereine kann aktuell Räume städtischer Schulen nutzen. Dabei ist dies eine wichtiger Schritt auch zur Förderung des Elternkontakts. In einem Pilotverfahren des AmkA und des Stadtschulamts wird verschiedenen Vereinen aktuell samstags die Julius-Leber-Schule als so genannte Schwerpunkt-Schule für Samstagsschulen zur Verfügung gestellt. Das AmkA plant, solche Schwerpunktschulen um weitere Maßnahmen der Elternarbeit und Elterninformation zu ergänzen und das Konzept in den nächsten Jahren auszuweiten.

Im schulischen Bereich wird der herkunftssprachliche Unterricht für die Sprachen der ehemaligen Anwerbeländer angeboten: Arabisch – Marokko -, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Portugiesisch, Serbisch und Türkisch. Daneben werden Konzepte wie KOALA – Kooperation und Koordination von Lehrkräften in der Herkunftssprache und im Gesamtunterricht – oder das Mittelmeerprojekt – die Einbeziehung von Inhalten der Sprache und Kultur von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in den Regelunterricht – umgesetzt.

Nicht zuletzt gibt es eine Reihe von Schulen, an denen fächerübergreifend bilingual unterrichtet wird.