Umbau Eschersheimer Landstraße

Frau Stadtv. Rinn

Der Hessische Verkehrsminister hat den Baubeginn des Riederwaldtunnels um mindestens zwei Jahre verschoben. Wesentliche Begründung ist die zu erwartende wesentlich höhere Einwohnerzahl Frankfurts im Jahr 2030, die eine Überarbeitung der bisherigen Planungen erforderlich machen würde. Die wachsende Stadt spielt beim geplanten Rückbau einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Frankfurts dagegen offenbar keine Rolle.

Daher frage ich den Magistrat:

Inwieweit ist der zu erwartende Bevölkerungszuwachs Frankfurts bei den Überlegungen zur Reduzierung der Leistungsfähigkeit der nördlichen Eschersheimer Landstraße berücksichtigt worden, und warum scheint das Wachstum der Stadt bei diesem Projekt keine Rolle zu spielen?

Antwort:

Sehr geehrte Frau Rinn, Sie wissen schon, dass Sie mit Ihrer Frage Riederwälder Äpfel mit Eschersheimer Birnen vergleichen. Während es sich bei dem Bau des Riederwaldtunnels um eine überörtliche Straßenverbindung handelt, auf der ausschließlich motorisierter Verkehr abgewickelt wird, haben wir es bei der Eschersheimer Landstraße als innerstädtischer Straße mit einem Relikt veralteter Verkehrsplanung zu tun. Mit einem Relikt deshalb, weil in dem Abschnitt mit oberirdischer Führung der Stadtbahnlinie die Querschnittsgestaltung der Fahrbahnen sich ausschließlich an den Ansprüchen des motorisierten Individualverkehrs orientiert hat. Diese Straße nimmt auf das sich zwischenzeitlich eingestellte multimodale Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger und auf die Belange der Barrierefreiheit keinerlei Rücksicht.

Die Gleichung, mehr Einwohnerinnen und Einwohner gleich mehr Autoverkehr, dem entsprechende Flächen zur Verfügung gestellt werden müssen, stimmt daher nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Ich sehe es als meine Aufgabe an, bei einem kaum noch vermehrbaren Angebot an öffentlichen Verkehrsflächen, gleichwohl allen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern, egal wie sie unterwegs sind, eine gleichberechtigte und sichereTeilhabe am Verkehr zu ermöglichen. Eine dieser Maßnahmen ist die verkehrliche Umgestaltung der Eschersheimer Landstraße. Nicht um irgendwen zu beschneiden, sondern um die Situation für Fußgängerinnen und Fußgänger, für mobilitätseingeschränkte Menschen und für Radfahrerinnen und Radfahrer zu verbessern, die Erreichbarkeit des Einzelhandels zu erhöhen, und damit die Lebensqualität in diesem Stadtteil nachhaltig zu verbessern.

Stefan Majer