Zuschuss für Hebammen

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

  1. Der Magistrat wird aufgefordert, 40.000 Euro aus vorhandenen Mitteln im Haushalt 2020/2021 zu etatisieren, um freiberuflich tätige Hebammen in Frankfurt zielgerichtet und unmittelbar unterstützen zu können.

Gefördert werden sollen unter anderem:

  • Fortbildungen (z. Bsp. Qualitätsmanagement, Existenzgründung, gemeinsames Arbeiten und Vernetzen), Qualitätszirkel und QM-Software
  • Patenschaften für Berufsanfänger, Wiedereinsteiger sowie zugezogene Hebammen
  • Hilfe bei der Wohnungssuche oder der Suche nach Räumen für eine Praxis
  • Erstellung und fortlaufende Aktualisierung einer Übersichtsliste, die alle freiberuflichen Hebammen mit ihren
  • Angeboten, Sprachkenntnissen etc. enthält. Betreut werden soll dies durch die Koordinierungsstelle für die Frankfurter Wochenbett-Notversorgung.

2. Der Magistrat soll prüfen und berichten, in wieweit das Dezernat Frauen und Wirtschaft finanziell oder bei der    Umsetzung der individuellen Projekte durch bestehende bzw. freie Kapazitäten und bestehende Fachkenntnisse unterstützend tätig werden kann.
Begründung:

Es ist dringend notwendig, eine Förderung für freiberufliche Hebammen im Haushalt zu etatisieren, um unmittelbar konkrete Maßnahmen gegen den Hebammenmangel in der Familienstadt Frankfurt umsetzen zu können. Nur so kann Frankfurt als Wohn- sowie Arbeitsort für freiberufliche Hebammen interessant sein und vor allem auch bleiben. Welche Maßnahme konkret gefördert wird, muss auf Grundlage der aktuellen Gegebenheiten jeweils entschieden werden. Außerdem ist für die Frankfurter Wochenbett-Notversorgung eine breite Unterstützung durch die Frankfurter Hebammen dringend erforderlich. Nur mit ihnen zusammen kann diese Wochenbett-Notversorgung dauerhaft angeboten und sinnvoll auf- und ausgebaut werden.

Den hohen Geburtenzahlen in Frankfurt steht ein gravierender Hebammenmangel gegenüber.  Im Jahr 2017 wurden 13 027 Babys in Frankfurt geboren. Wie viele freiberufliche Hebammen die jungen Familien betreuen und unterstützen, kann der Magistrat in seinem Bericht (B 344/2017) nicht exakt mitteilen. Laut Gesundheitsamt haben sich im Jahr 2017 bis zum Berichtszeitpunkt 8 Hebammen neu angemeldet. Seit 2012 belaufe sich die Zahl der freiberuflichen Hebammen auf 32. Dem Magistrat sei allerdings nicht bekannt, ob sich alle Hebammen, die sowohl in einer Klinik als auch freiberuflich tätig seien, bei ihnen gemeldet hätten.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) meldet in Frankfurt 147 Hebammen mit Kassenzulassung. Aus dieser Zahl gehe jedoch nicht hervor, zu welchem Anteil die Hebammen freiberuflich und in einer Klinik tätig seien (B 344/2017). Die undeutlichen Zahlen zeigen, dass es für die Stadtregierung – insbesondere für das Gesundheitsamt –, für die Hebammen aber vor allem für werdende Eltern dringend notwendig ist, eine Liste mit allen freiberuflichen Hebammen in Frankfurt zu erstellen, die alle Informationen zum Angebot, den Sprachkenntnissen etc. enthält. Die Betreuung und Aktualisierung der Liste muss durch eine Stelle kontinuierlich erfolgen.

In Hessen wurden im Jahr 2017 60 988 Kinder geboren –  das ist die höchste Zahl der letzten 20 Jahre. Das bedeutet, Frankfurt steht in unmittelbarer Konkurrenz zu anderen hessischen Städten, die von der Problematik des Hebammenmangels ebenfalls betroffen sind. Es gibt Städte in Hessen und auch deutschlandweit, die wesentlich aktiver sind und bereits verschiedene Initiativen gestartet haben, um Hebammen zu unterstützen und sie damit für ihre Stadt zu gewinnen. Und gerade deshalb muss Frankfurt Anreize für freiberufliche Hebammen schaffen: für Absolventinnen und Absolventen, die von der Hebammenschule kommen und für diejenigen die bereits in der Stadt arbeiten oder neu zugezogen sind. Das kann zum Beispiel die Finanzierung von Qualitätszirkeln, von QM-Software oder von Fortbildungen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Existenzgründung oder gemeinsames Arbeiten und Vernetzen sein. In einer Stadt wie Frankfurt mit einer schwierigen Wohnungs- und Verkehrssituation sowie hohen Mieten können aber auch die Hilfe bei der Wohnungssuche, Sonderparkgenehmigungen ohne Gebühr und Zeitbegrenzung oder ein Gründungszuschuss überzeugende Argumente sein. Finanzielle Unterstützung von Patenschaften für Berufsanfängerinnen, Wiedereinsteigerinnen oder zugezogene freiberufliche Hebammen könnten ebenfalls den Weg nach Frankfurt ebnen.