Zwei-Säulen-Konzept

Ende September wurde in einem Artikel der Frankfurter Neuen Presse über ein „Zwei-Säulen-Konzept“ berichtet, das am Runden Tisch entwickelt wurde und als Übergangslösung den Hebammenmangel entlasten könnte. Seit November 2016 soll das Konzept vorliegen – umgesetzt soll davon bisher nichts sein. Eine Nachfrage der Zeitung, wann dies geschehen solle, ließ das Gesundheitsdezernat unbeantwortet.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat:

Seit wann liegt dem Magistrat das „Zwei-Säulen-Konzept“ vor, und welche Inhalte sollen wann umgesetzt werden?

 

Antwort des Magistrats:

Der Magistrat hat, vertreten durch das Gesundheitsamt, in einer Unterarbeitsgruppe des Runden Tisches an der Erarbeitung des „Zwei-Säulen-Konzept“ mitgewirkt. Am 30.11.2016 wurde das Konzept den Teilnehmer*innen des Runden Tisches vorgestellt und aus fachlicher Sicht für gut befunden.

Grundsätzlich sieht das Konzept zwei Ansätze vor:

Erstens, Wochenbett-Notfall-Hausbesuch/Notfalltelefon: Das Frühe Wochenbett ist eine besonders sensible Zeit. In dieser sollten Mutter und Kind nicht gezwungen werden, bei Problemen das Haus zu verlassen. Hierfür wird ein Wochenbett-Notfalltelefon an allen Werktagen eingerichtet, das auch Frauen, die keine Hebamme für die Wochenbettbetreuung gefunden haben, ein Hausbesuchsangebot bis zum zehnten Lebenstag ermöglicht. Bei längerfristigem Bedarf an Wochenbettbetreuung werden die Frauen an die Hebammen-Wochenbett-Notambulanzen angebunden bzw. bei besonderem Bedarf weiterhin zu Hause aufgesucht, auch über den Zeitraum des frühen Wochenbetts hinaus.

Zweitens, Hebammen-Wochenbett-Notambulanzen: Um auch für die Zeit des späten Wochenbetts eine flächendeckende Wochenbettbetreuung für Frauen und Familien zu gewährleisten, werden Hebammen-Wochenbett-Notambulanzen eingerichtet. Die Notambulanzen können an den Frankfurter Geburtskliniken, im Gesundheitsamt oder an anderen geeigneten Orten angesiedelt werden. Sie sollen an allen Werktagen besetzt sein. Die Hebammen-Wochenbett-Notambulanzen werden als Dependancen einer Hebammenpraxis betrieben – die Hebammen beantragen ein gemeinsames Institutionskennzeichen – und sind nicht Bestandteil des Klinikbetriebs, des kostenfreien Angebots des Gesundheitsamts oder anderer Träger. Die Nutzung der Räume wird mit den Kliniken, dem Gesundheitsamt oder anderen Träger*innen vertraglich geregelt. Die Hebammen-Wochenbett-Notambulanzen sollen eine Interimslösung darstellen, bis es in Frankfurt wieder ausreichend Hebammen gibt, die die Frauen für die Dauer des Wochenbetts in ihrem häuslichen Umfeld betreuen können.

In der Folge wurde die Unterarbeitsgruppe durch den Runden Tisch gebeten, Gespräche mit möglichen Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen zur Umsetzung des Konzeptes zu führen. Im Verlauf des Jahres hat der Magistrat zahlreiche und nicht immer einfache Gespräche mit potenziellen Kooperationspartner*innen geführt und sich für die Umsetzung des Konzeptes eingesetzt. Aufgrund der Komplexität des Konzeptes müssen haftungsrechtliche, steuerrechtliche, organisatorische und abrechnungsrechtliche Fragestellungen mit und vor allem durch mögliche Kooperationspartner*innen geklärt werden.

Diese Klärungsprozesse – vornehmlich zwischen Dritten – sind durch den Magistrat nur begrenzt zu beeinflussen und dauern aktuell noch an, sodass zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Umsetzungszeitpunkt genannt werden kann.

Antragstellende Person(en):
Stadtv. Yanki Pürsün