Kampagne „Frankfurt zeigt Respekt“

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

  1. Der Magistrat wird aufgefordert, die vom Präventionsrat im Zusammenhang mit der beauftragten Agentur OPAK durchgeführte Kampagne „Frankfurt zeigt Respekt“ sofort einzustellen.
  2. Der Magistrat erstellt im Zusammenhang mit dem Präventionsrat eine Ausschreibung, bei der sich Agenturen mit der Vorstellung einer Kampagne „Frankfurt zeigt Respekt“ bewerben können. Eine noch zu benennende Jury entscheidet nach Durchführung der Ausschreibung und Bewerbungen, welche Agentur den Zuschlag erhält.

Begründung:

Am 14.05.2018 wurde in der Sitzung des Ausschusses für Recht, Verwaltung und Sicherheit den Ausschussmitgliedern durch Stadtrat Frank die Kampagne „Frankfurt zeigt Respekt“ vorgestellt. Zielsetzung ist es, den respektvollen gesellschaftlichen Umgang miteinander zu fördern. Diese Zielsetzung soll u.a. durch werbende Plakatmotive gefördert werden, die dem Ausschuss vorlagen.

Die FDP begrüßt ausdrücklich die von der Kampagne verfolgte Zielsetzung, den respektvollen Umgang miteinander zu fördern und Diskriminierung und Ausgrenzung zu begegnen. Die FDP hält es aber für kontraproduktiv, so wie bei der vorliegenden Plakataktion geschehen, mit Klischees und einfach strukturierten Bildern zu arbeiten, die, statt den Schutz bestimmter sozialer Gruppen zu gewährleisten, diese letztlich der Lächerlichkeit preisgeben.

Diese Tendenzen sind bei einigen Plakaten der Aktion deutlich sichtbar:

Die klischeehafte Darstellung kommt besonders auf dem Plakat zum Ausdruck, das gegen Homophobie Position beziehen soll. Die dortige Darstellung eines Freddie Mercury Verschnitts mit Bart und Ohrring mag zwar der Vorstellung des deutschen Kleinbürgers von homosexuellen Männern entsprechen, erfasst aber nicht die Lebenswirklichkeit.

Es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb auf dem Plakat, mit dem gegen Rassismus aufgrund der Hautfarbe Stellung bezogen werden soll, der dortigen Person eine rosa Brille aufgesetzt wird, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben.

Das Plakat, mit dem gegen diskriminierendes Verhalten gegenüber Menschen mit
Behinderung Stellung bezogen wird, ist ebenfalls wenig gelungen, da der Zusammenhang zwischen Bild und Text nicht nachvollziehbar ist.

Auf dem Plakat gegen Sexismus und sexuelle Belästigung von Frauen ist eine Frau mit langen blonden Haaren und stark aufgetragenem Lippenstift zu sehen. Hiermit wird das Bild der Frau als „hübsches blondes Dummchen“ klischeehaft kultiviert. Die Frau wird wiederum auf ihr Aussehen und ihre Stellung als Schwester eines Bruders reduziert. Die Zeichnung eines derartigen Frauenbildes ist geradezu kontraproduktiv. Jeder Mensch genießt unabhängig von seinem Aussehen Schutz vor sexuellen Übergriffen.

Die FDP begrüßt es ausdrücklich, dass Personen, wie Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder Rettungssanitäter, die in Uniform wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernehmen und für die Gemeinschaft da sind, vor verbalen und tätlichen Angriffen geschützt werden und ihnen der entsprechende Respekt entgegen gebracht wird. Das dazugehörige Plakat erfasst diese Thematik jedoch nicht, da die dort gezeigte Person hinsichtlich ihrer Funktion kaum zu identifizieren ist. Es drängt sich eher der Eindruck einer Karikatur eines Matrosen auf. Zielführender wäre es gewesen, klar und deutlich die Person mit ihrer Uniform und ihrem Amt abzubilden, so dass der Betrachter auch weiß, wem konkret Respekt gegenüber gebracht werden soll.

Es erschließt sich auch nicht, warum die Personen alle nackt dargestellt werden, was insbesondere beim Seniorenplakat deplatziert erscheint.

Bei der vorliegenden Plakatkampagne besteht die Gefahr, dass die verfolgte Zielsetzung nicht erreicht, sondern das Gegenteil bewirkt wird. Die Plakataktion ist intellektuell niveaulos und insgesamt misslungen. Die Kampagne sollte deshalb eingestellt und neu ausgeschrieben werden, damit sich mehrere Agenturen mit Vorschlägen bewerben können und der überzeugendste Vorschlag den Zuschlag erhält. Gut gemeint ist nicht gut gemacht.